Vereinsgeschichte von der Gründung 1923 bis 1933/35

(Aufgeschrieben von Carl Heinrich Feddersen und Klaus-Dieter Saß)

Für diesen ersten Abschnitt über die Geschichte unseres Sportvereins standen uns als Material sämtliche Protokolle nebst Mitgliederlisten und Kassenbüchern sowie das Schießbuch der Schießsparte zur Verfügung. Außerdem konnten wir auf die Arbeit von Irene Neugebauer, damals Dieckhoff, aus dem Jahre 1963 über die „Entwicklung des TSV Doppeleiche Viöl von 1923 bis 1958" zurückgreifen. Uns lagen auch Notizen vor über „Interviews", die der damalige Vorsitzende in den Jahren von 1989 bis 1993 mit dem Gründungsmitglied Albert Hansen (Drenges) sowie den Vorkriegsmitgliedern Friedrich Johannsen, Hermann Sierk und Heinrich Ipsen geführt hat.
Dr. Martin Petersen, damals Tierarzt in Viöl, erfuhr Anfang 1923 davon, daß einige junge Männer aus Viöl und Ackebroe gerne regelmäßig Schlagball und Faustball spielen wollten. Er ergriff die Initiative und lud zu Sonnabend, dem 05. Mai 1923, in die „Gastwirtschaft Ackebroe" des Gastwirts Hans Hansen zur Gründungsversammlung des „Spiel- und Sportvereins zu Ackebroe" ein. 21 junge Männer aus Viöl und Ackebroe traten dem Verein spontan als Mitglied bei.
 Bruno Wichert
 Zum 1. Vorsitzenden wurde der an der Dorfstraße (heute Westerende 5) wohnhafte Kaufmann Bruno Wichert gewählt. Zu seinem Stellvertreter wählte die Versammlung Nicolay Hansen, den Sohn des Gastwirts. Beisitzer wurde Albert Hansen (Drenges), Osterdorf (heute Osterende), und das Amt des Schriftwarts übernahm Schlachtermeister Julius Burmeister. (Anmerkung: Burmeister wurde zwar erst 1924 zum Kassenwart gewählt, hat aber ausweislich der vorliegenden Unterlagen bereits ab Vereinsgründung die Kasse geführt und war somit gleichzeitig Kassenwart.) Für die Instandhaltung des Lederzeugs (Faust- und Schlagbälle) war Heinrich Carstensen zuständig. Als Verantwortliche für die Instandhaltung der Geräte wurden Hans Wohlert und Lorenz Dethlefsen bestimmt.

Die Zuständigkeit für die Aufräumung der Geräte wurde Heinrich Hansen und Max Kutscher übertragen. Jedes Mitglied, das dem Verein beitrat, mußte ein Eintrittsgeld von 500 Mark (konnte aber freiwillig erhöht werden) bezahlen. Bereits am 05. Mai beschloß man, daß das Eintrittsgeld ab 13. Mai auf 1.000 Mark erhöht wird. Für „Lehrlinge oder Mitglieder, die es sich nicht leisten können", wurde festgelegt, daß diese weiterhin 500 Mark zu zahlen hätten, worüber jedoch der Vorstand beschließen mußte. Am 30.05.1924 hatte sich die anfängliche Mitgliederzahl von 21 auf 36 erhöht. Im Verein gab es bereits 2 Schlagball- und 4 Faustballmannschaften. Am 31.08.1924 fand das erste Sportfest des Vereins statt. Zu diesem großen Ereignis wurden alle Vereine aus der Umgebung eingeladen (Drelsdorf, Bohmstedt, Großjörl und Kollund). Im Anschluß daran fand in der Gastwirtschaft von Peter Hinrichsen („Fikens") ein Kommers statt. Anschließend wurde gefeiert. Für das Sportfest benötigte man damals natürlich auch einheitliche Kleidung und legte sich wie folgt fest: schwarze Hose, weißer Zwitter mit kurzen Ärmeln und bloßem Hals. Das Vereinsabzeichen wurde im Schildform auf blau-weiß-rotem Grund (die damaligen und auch heute gültigen Landesfarben). Die Anfangsbuchstaben auf dem Schild sollten SSVVA sein (Spiel- und Sport-Verein Viöl-Ackebroe). Gleichzeitig sollten entsprechende Nadeln angeschafft werden. 
  Lorenz Dethlefsen (l) und Nicolay Hansen

 Lorenz Dethlefsen (l) und Nicolay Hansen am 31.8.1924 beim ersten Vereinssportfest in Ackebroe. Ausschnitt aus einem Bild der Faustballmannschaft I mit schwarzer Hose und weißem Zwitter mit dem noch heute gültigen Vereinswappen.
  
 Im Protokoll ist folgendes wörtlich festgehalten:
Für Ausflüge des Sportvereins wurde folgende Ordnung angeordnet: „Zu spät 0,50 Mark", „Unentschuldigtes Fehlen 1 Mark", ist von den betreffenden Mitgliedern in die Vereinskasse zu zahlen. Der Verein hat beim Abmarsch geschlossen anzutreten, marschiert oder fährt geschlossen bis an den verabredeten Sportplatz, desgleichen ist die Rückfahrt. Ausnahmen können gestattet werden, jedoch ist dies sofort dem Führer der Abteilung mitzuteilen. Die Abteilung hat den Anordnungen des Führers betreffs Marschordnung und Spiel Folge zu leisten, sobald die Ortschaft Viöl verlassen ist. Beschwerden über den Führer sind beim Vorstand vorzubringen, evtl. Strafen müssen noch festgesetzt werden. Der Ausmarsch und auswärtiges Spiel ist als Frontdienst anzusetzen, dahin gehört nur das Beste vom Besten an Ausbildung und Disziplin, ein jeder muß seine ganze Kraft einsetzen, um dies Ziel zu erreichen. Ein schneidiger, zäher Gegner hat noch immer Achtung beim Sieger gefunden. Spielzeit ist jeden Sonntagnachmittag von 3.00 - 6.00 Uhr, mit Ausnahme von den Hauptfeiertagen, wo das Spiel ruht".

 Zu den 2 Schlagball- und 4 Faustballmannschaften ist im Protokoll vom 30.05.1924 festgehalten: „Wenn irgendmöglich, sollen noch mehr Mannschaften formiert werden. Diese werden ausgewechselt und in die nächsthöhere eingereiht, wenn die Leistungen so hervorragen, daß ein Vormann überflügelt wird. Spielleiter ist beim Schlagball der Malspieler und beim Faustball der Einschenker, deren Anordnungen Folge zu leisten sind. Jegliches Geschrei im Spiel hat als ungehörig zu unterbleiben, im Höchstfall einen halblauten Ruf für den Nebenmann, im übrigen entscheidet der Schiedsrichter." Und dann beschloß die Mitgliederversammlung am 30.05.1924 noch, daß „nach Anschaffung der beantragten Geräte in Abteilungen mit ¼-stündiger Ablösung Weit-, Hoch- und Dreisprung, Stabhochsprung, Schleuderball, Diskus, Kugelstoßen, Weitwurf und auch Freiübungen gemacht werden sollen." Hier wurde der Grundstock gelegt für den Beginn der Leichtathletik in unserem Sportverein. Am 12.07.1924 wurde beschlossen, bei der Schulgemeinde einen Antrag auf Überlassung eines Sportplatzes zu stellen. (Näheres hierzu im Kapitel „Unsere Sportstätten im Wandel der Zeit".) Im selben Protokoll heißt es an anderer Stelle, daß der Sportverein als Verein in das Vereinsregister eingetragen werden sollte. (Anmerkung: Dieses unterblieb jedoch. Eine gänzlich andere Satzung wurde erstmals 1962 in das Vereinsregister eingetragen.) Als Abzeichen legte die Versammlung am 12.07.1924 fest: Eichenkranz und Vereinsname „Doppeleiche".

Wir möchten erläutern, wieso der Eichenkranz in das Vereinswappen aufgenommen wurde. Das Gründungsmitglied Albert Hansen (Drenges) erzählte uns, daß vor dem Krieg bei allen Vereinen, die man besuchte bzw. die nach Viöl kamen, bei den Turnieren/Sportfesten Umzüge im Vereinsdress veranstaltet wurden und daß jeder Sieger für seinen Sieg einen Kranz aus Eichenlaub bekam. Jeder trug seinen Eichenkranz und war darauf sehr stolz. Je mehr Sportler eines Vereins einen Eichenkranz trugen, desto stolzer waren Mannschaft und Verein. Die Umzüge wurden von Musik begleitet. An allen Orten fand anschließend ein Festball statt. Julius Burmeister, der damals neben seinem Posten als Schrift- und Kassenwart inoffiziell auch noch die Aufgabe eines Jugendwartes wahrnahm, legte Wert darauf, daß die Jugendlichen um 22.00 Uhr Schluß machten. Ebenfalls galt die Regel, daß dann aber auch alle auswärtigen Sportler das Fest verlassen und nach Hause gehen/fahren mußten. Lediglich die Einheimischen feierten dann in ihrem Ort noch weiter. (Anmerkung: „Drenges Albert" erzählte weiter, daß es auch noch in der Anfangszeit nach dem Kriege Siegerkränze aus Eichenlaub gab, die dann später durch Siegerschleifen zum Anstecken ersetzt wurden.) 
 
   In der Versammlung am 16.08.1924 wurde Karl Ramm, Lehrer an der Viöler Schule, unter der Bedingung, daß umgehend Statuten (Satzung) aufgestellt werden, zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Abends wurde in der Gastwirtschaft von Matthias Carstensen („Hansches") das Abschlußfest gefeiert.
Dann fand am 31.08.1924 das allererste Vereinssportfest in Viöl statt. Daran nahm auch der damals 9jährige Junge Johannes Hansen aus Immenstedt teil. Der heutige Vereinsvorsitzende hat 1997 mit ihm gesprochen. Herr Hansen hat die Absicht, nach fast 74 (!) Jahren zu unserem Jubiläumsempfang am 05. Mai 1998 zu kommen. Wieder einmal möchten wir schildern, was „Drenges Albert" bei einem seiner vielen Interviews aus der damaligen Zeit erzählt hat.
 

Karl Ramm
Karl Ramm

 Matthias Carstensen
Matthias Carstensen
 Wie man damals zu Fuß die Sportplätze an anderen Orten erreichte, haben die Leser bereits erfahren. „Drenges Albert" erzählte, daß man gelegentlich auch auf offenen Lastwagen zu den Spielorten gefahren wurde. Man saß auf dem Lkw auf Holzbänken (manchmal auch unter einer Zeltplane), und so ging es dann auf holprigen Straßen bei allen Wetterlagen los. Besonders abenteuerlich hört es sich an, wenn die Sportler sich mit dem Fahrrad auf den Weg nach Bohmstedt, Ostenfeld und sogar nach Schwabstedt begaben. Damals gab es noch nicht viele Fahrräder, so daß sich meistens zwei Sportler ein Fahrrad teilten. Man fuhr aber nicht zu zweit und zur selben Zeit auf dem Fahrrad, sondern abschnittsweise und im Wechsel. Ein Mitglied der „Fahrgemeinschaft" lief 1 bis 2 Kilometer zu Fuß, während der andere auf dem Fahrrad fuhr und das Fahrrad an einem zuvor verabredeten Punkt in den Graben legte bzw. an einen Baum oder an einen Wall stellte. Dann lief dieser ehemals radfahrende Teamkollege zu Fuß weiter, und der erste Läufer nahm sich das Fahrrad, überholte den Kollegen, stellte das Rad wieder ab, und so ging es dann bis zum Zielort und später wieder zurück zum Heimatort. „Drenges Albert" erzählte beispielsweise etwas über spätere Fahrten nach Drelsdorf und zurück. Im Laufe der Zeit hatten immer mehr und zum Schluß fast alle Sportler ein eigenes Fahrrad. Dann fuhr man mit dem Fahrrad, „was damals als sehr modern galt", von Viöl ohne Halt entlang der mit Schlaglöchern übersäten Bredstedter Chaussee, bog bei Eckstock auf die „alte Landstraße" nach Söbenbargen bei Spinkebüll ab, fuhr durch den Haaks-Forst, vorbei an der Gastwirtschaft „Waldheim" und weiter nach Drelsdorf. Auf der Rückreise wurde dann dieselbe Strecke gewählt. Bei jeder Gastwirtschaft wurde „Halt" gemacht. So kam man damals immer „recht vergnügt" in Viöl an. „Drenges Albert" erzählte ebenfalls, daß man zu damaliger Zeit bei den Sportfesten (mit Blasmusik bis zum frühen Morgen) hauptsächlich Teepunsch trank, und zwar reichlich und oft „quadratmeterweise".
Wenn die Viöler Mannschaft bei auswärtigen Sportfesten ohne Erfolg gewesen war, dann kam sie oft nach Hause und sang „Wenn wir auch einmal verlieren, so ist das nicht so schlimm, dann müssen wir trainieren, damit wir wieder gewinn'!"
Am 09.09.1924 wurde beschlossen, ein Reck anzuschaffen („sobald als möglich und aus der billigsten Quelle. Sobald das Reck angeschafft ist, soll der Mehrbetrag - das bedeutet wohl: „der Überschuß" - der Vereinskasse auf die Darlehenskasse belegt werden."). Nachdem die Anschaffung getätigt war, wurde bei der Darlehenskasse ein Konto eröffnet. Statt Kontoauszügen gab es damals ein Kontogegenbuch. Das Deckblatt und die letzte Seite des Kontogegenbuches sind in dieser Festschrift abgelichtet. (Siehe Artikel „Sportverein und Schule".) Der Restbetrag in Höhe von 18,21 RM wurde am 11.12.1934 vom Kassenwart Julius Burmeister abgehoben. Ebenfalls am 09.09.1924 wurde „angeregt, falls es die Mittel erlauben, einen Trommler- und Pfeiferkor zu bilden." Dazu ist es offensichtlich aber nicht gekommen, denn in den Vereinsunterlagen ist darüber nichts zu finden. Am 02.02.1925 wurde dann eine Liste der Turner, Spieler (Schlag- und Faustball) und Leichtathleten aufgestellt. Neu war, daß es jetzt auch Turner gab. Begonnen hatte es mit dem Turnen seit der Anschaffung des Recks. Jetzt kam auch schon bald ein Barren dazu.

 Andreas Andresen
 Andreas Andresen

Am 01.04.1925 trat nach vorheriger Ankündigung Karl Ramm als Vereinsvorsitzender zurück. Am 11.04.1925 wurde Andreas Andresen zum neuen Vorsitzenden gewählt. Andresen hatte bereits vorher die Sportschule in Mirow (Mecklenburg) besucht. Dort war er fachmännisch im Turnen und in der Leichtathletik geschult worden. Er begann damit, nicht nur „einfach so" Leichtathletik zu betreiben und zu turnen, sondern die neuen Lehrmethoden anzuwenden. Er wurde deshalb von seinen Kameraden anfangs oft ausgelacht, fand jedoch bald auch begeisterte Anhänger. Die Leichtathleten übten sich im 100-m-Lauf, im Hoch-, Weit- und Dreisprung, im Schlagballweitwurf und im Kugelstoßen. Auch eine 400-m-Staffel wurde aufgestellt. Den Turnern standen das Spannreck und der Barren sowie neuerdings auch Kokosmatten zur Verfügung. Im Sommer wurden diese Geräte auf dem Schulhof aufgebaut (heutiges Gelände des Busbahnhofs und des Vorplatzes beim Feuerwehrgerätehaus), damit die Turner dort üben konnten. Im Winter traf man sich im Saal der Gastwirtschaft von Thomas Thomsen („Gallerus"). Auf dem Schulplatz wurde ein Schlagballfeld eingerichtet, damit die Spieler bessere Trainingsmöglichkeiten hatten. Der Eifer und der Fleiß beim Training wurden im Jahre 1926 mit der Meisterschaft im Faust- und Schlagball der Unterbezirke Nord und Süd vom ländlichen Sportverband für den Kreis Husum belohnt. 

 Am 09.05.1925 wurde dann endlich die erste Vereinssatzung beschlossen. Ihr Text ist in dieser Festschrift in vollem Wortlaut abgedruckt (siehe „Die Vereinssatzung und das Vereinsregister").
Am 21.11.1925 fand die Versammlung des Sportvereins ausnahmsweise einmal nicht in der „Gastwirtschaft Ackebroe" statt, sondern in der Gastwirtschaft „Gallerus" von Thomas Thomsen. Das hatte auch seinen besonderen Grund. An diesem Abend wurde in Absprache mit Thomas Thomsen festgelegt, daß die Winter-Turnabende jeweils mittwochs und sonnabends in seinem Saal stattfinden sollten. Aus dem Protokoll vom 25.09.1926 geht dann hervor, daß das erste offizielle Vereinsturnen in Viöl am 06.10.1926 stattfand. Für den 05.12.1926 wurde dann ein Werbeturnen geplant. Als neues Mitglied wurde Bernhard Klein aufgenommen. Er wurde zugleich als Vorturner gewählt. In dieser Versammlung wurde vorgeschlagen, das Kleinkaliberschießen im Sportverein einzuführen, „welchem begeistert zugestimmt wurde".
Einige Anmerkungen zum Turnen in Viöl:
Der heutige Vereinsvorsitzende hat 1990 lange und ausführlich mit Friedrich Johannsen („Fritz Schooster") gesprochen. Der Vorturner Bernhard Klein und auch Fritz Johannsen waren damals die besten Turner im Verein und als gute Turner im weiten Umkreis bekannt. Johannsen war 1927 von Bredstedt nach Viöl gekommen und hatte sich im Hause Süderstraße 13 (heute Quelle-Agentur) als Schuster selbständig gemacht. Von erspartem und ererbtem Geld baute er 1929 das Haus Westerende 34 (heute Deseife). Hier war er bis 1980 als selbständiger Schuster tätig, und viele Leser werden sich sicher gut und gerne an ihn erinnern. 1985 zog er nach Husum. Johannsen, 1901 geboren, war schon als junger Mann zunächst im Bredstedter Sportverein ein aktiver Turner und Leichtathlet.

 Friedrich Johannsen
 Friedrich Johannsen
(Fritz Schooster)
1980 in seiner Werkstatt

Er und seine Sportkameraden turnten in einer ganz primitiven, unbeheizten und mit Betonfußboden versehenen Turnhalle bei der Schule Bredstedt. Üblicherweise befanden sich die Sportanlagen damals bei Schulen. Man turnte am Barren, Reck und Bock. Zur Leichtathletik gehörten die Disziplinen, von denen Sie, liebe Leser, schon gelesen haben. Überregional waren das Turnen und die Leichtathletik in Gauen und Bezirken organisiert. Der Friesengau, unterteilt in die Bezirke Nord und Süd, ging von der dänischen Grenze bis hinunter zur Eider. Gau- und Bezirksturnfeste fanden regelmäßig einmal jährlich statt. Daran nahmen Sportler von nah und fern teil. Daneben veranstalteten die örtlichen Vereine alljährlich ihre eigenen Sportfeste. Nicht nur die Schlag- und Faustballer sowie Leichtathleten, sondern auch die Turner des TSV Doppeleiche Viöl fuhren zu den verschiedenen Orten zu Wettkämpfen und richteten einmal jährlich ihr eigenes Sportfest aus. Dazu fuhren sie nach Husum, Bredstedt, Tönning, Friedrichstadt und in andere Orte. Johannsen, Bernhard Klein, der von Eiderstedt nach Viöl gekommen war, und „Hannes von de Möhl" (genauer Name nicht bekannt, war Geselle in der Mühle auf Ackebroe) übten regelmäßig an den Turngeräten und auch in der Leichtathletik.

Andere kamen „so, wie sie Zeit und Lust hatten". Nebenbei spielten die Turner und Leichtathleten selbstverständlich auch gelegentlich bei den Faust- und/oder Schlagballmannschaften mit. Ab und zu kamen Turner aus Husum, um den Viöler Turnern neue Übungen beizubringen. Bei den Turnwettkämpfen waren bestimmte Übungen vorgeschrieben (Pflicht), während andere freigestellt waren (Kür). In der Regel mußte man pro Gerät 2 Pflichtübungen (eine Kraft- und eine Schwungübung) und eine Kür machen. Zum leichtathletischen Zwölf-Kampf mußte man auch Übungen an Sportgeräten machen. Pro Gerät (Reck, Barren und Pferd) war eine Übung vorgeschrieben; außerdem gehörten 8 leichtathletische Übungen und eine Freiübung dazu (in der Regel Bodenturnen). Laut „Fritz Schooster" fuhren auch die Turner zu ihren Turnwettbewerben je nach Wetterlage mit dem Fahrrad oder per Bahn. Die Fahrt mit dem Zug nach Bredstedt war sehr umständlich und wurde nur bei wirklichem „Sauwetter" in Anspruch genommen, weil man wegen der Wartezeiten in Viöl und Löwenstedt (wo man umsteigen mußte) sowie der damals recht langen Fahrtzeiten doch länger unterwegs war als mit dem Fahrrad. Außerdem war es in der damaligen Zeit des knappen Geldes auch billiger, mit dem Rad zu fahren. Die Kleidung der Turner unterschied sich von der der anderen Sportler. Im Gegensatz zu Faustball, Schlagball und Leichtathleten (deren Kleidung ist schon beschrieben worden) hatten die Turner schon damals lange graue Hosen an, die mit einem Gummiband unter dem Fuß hindurch gespannt wurden, „um bei den Übungen eleganter zu wirken". Die Turngeräte, die auf dem Viöler Schulsportplatz inmitten des Dorfes aufgestellt waren (Barren und Reck), wurden von den wirklich aktiven Turnern nicht regelmäßig für ihre Übungen genutzt, denn dafür waren sie viel zu primitiv. Diese Geräte stellten lt. „Fritz Schooster" eher so etwas wie Spielgeräte für die Dorfjugend dar. Die guten Turner übten am liebsten an den Geräten im Saal der Gastwirtschaft „Gallerus".
In der Versammlung am 12.03.1927 hielt der 1. Vorsitzende Andresen einen Vortrag über die Sportschule in Mirow (Mecklenburg) und stellte den Antrag, „den Körper genauso zu schulen". Die Versammlung stimmte dem zu, „soweit es unsere Geräte zulassen oder durch Beihilfe angeschafft werden". In dieser Versammlung wurde ebenfalls beschlossen, „um Reibereien aus dem Wege zu gehen, mit der Jungbauernschaft zusammenzuarbeiten. Alle Sportmitglieder können an den Arbeitsabenden der Jungbauern teilnehmen und umgekehrt Jungbauern an den Leibesübungen des Vereins. Auch werden die beiden Vereine das Wintervergnügen, welches am 27.03.1927 bei 'Gallerus' stattfinden soll, zusammenfeiern (mit Theater und Vorträgen, anschließend 'Kränzchen')". An diesem Tage hatte der Verein 19 aktive und 11 passive Mitglieder. Außerdem gehörten dem Verein 4 Schüler an.
Um die Vereinskasse ein wenig mehr zu füllen, veranstaltete der Verein schon seit einigen Jahren Theaterabende. Die Schauspieler wurden vom Verein gestellt. Da ihm jedoch keine Frauen angehörten, übernahmen Mädchen aus Viöl die weiblichen Rollen.
1927 wurde vom Sportverein gemeinsam mit dem Kyffhäuserbund im „Müllermoor" (Muschen) ein Schießstand gebaut, und das Schießen im Rahmen des Vereinssports wurde eingeführt. Dieser Schießstand ist schon längst nicht mehr vorhanden. Seine Lage ist aus dem in dieser Festschrift abgedruckten Lageplan für den 1936 geplanten, aber nicht verwirklichten Ausbau des Platzes ersichtlich. Der Schießstand befand sich nördlich der heutigen Spielfläche im Bereich der Anpflanzung. Im Westen stand der Schützenunterstand. Geschossen wurde mit Kleinkaliber (7x57 mm) in östliche Richtung, wo sich in Entfernungen von 50 und 100 m die Scheiben und Deckungen befanden. Ganz am Ende (d.h. nach ca. 110 Metern) war der Kugelfang.
Am 10.03.1928 bekam der Verein einen neuen 1. Vorsitzenden, nämlich Nicolay Hansen von der Gastwirtschaft Ackebroe. Der bisherige Vorsitzende Andreas Andresen wurde 2. Vorsitzender. Neuer Schriftführer wurde Lorenz Dethlefsen. Julius Burmeister blieb weiterhin Kassenwart. Als Gerätewart wurde Otto Schmidt („Johankens") eingesetzt. In dieser Versammlung wurde, was nach der Satzung gar nicht vorgesehen war, ein Aufsichtsrat eingesetzt (Lorenz Dethlefsen, Andreas Andresen, Otto Schmidt, Johannes Jens). 8 Monate später, nämlich am 27.11.1928, wurde die Vereinssatzung um folgenden Absatz 15 erweitert: „Der Verein kann nur aufgelöst werden, wenn es in zwei Generalversammlungen, die mindestens ein Halbjahr auseinander liegen, beschlossen wird. Aufgelöst ist der Verein, wenn sich keine 5 Mitglieder mehr finden, die für das Fortbestehen sind; über das Vermögen beschließt die letzte Generalversammlung." (Waren dies schon die Vorboten für das am 21.04.1933 beschlossene „Ruhen" des Vereins?)

 Nicolay Hansen
Nicolay Hansen 

Aus dem Protokoll vom 10.04.1929 ist ersichtlich, daß dem Verein damals als Turnlehrer ein Herr Kröger aus Husum zur Verfügung stand. Passive Mitglieder, die bis dahin in der Versammlung kein Stimmrecht hatten, erhielten nunmehr das Stimmrecht. Für die Zeit zwischen dem 10.04.1929 und dem 21.04.1933 gibt es keine Protokolle oder andere schriftliche Unterlagen. Da alle Protokolle in dasselbe Protokollbuch eingetragen wurden und das Buch keine Lücken enthält, ist anzunehmen, daß es in dieser Zeit mit der Führung des Vereins und mit dem Sportbetrieb in Viöl nicht mehr so klappte, wie es vorher der Fall gewesen war. Irene Dieckhoff schreibt in ihrer Ausarbeitung über die Vereinsgeschichte: „Noch fünf weitere Jahren fanden die Trainingsstunden, Sportfeste und Theaterabende statt, bis dann die SA (Anmerkung: Eine Organisation der Nationalsozialisten) immer mehr Anhänger fand und keiner mehr zu den angesetzten Trainingsstunden erschien."
Am 21.4.1933 beschloß die Generalversammlung, den „Verein ruhen zu lassen, solange, bis sich Mitglieder finden, die aktiv den Sport weiter treiben wollen. Rückständige Beiträge werden eingesammelt, sonst ruhen alle Beiträge." Die Schlußsitzung des TSV Doppeleiche fand am 25.11.1935 im Vereinslokal „Gastwirtschaft Ackebroe" statt. 

Versuch einer Wiederbelebung des Vereins:
Heinrich Schmidt („Hein Möhlmann"), Viöl, der sich sehr intensiv mit der Chronik der Gemeinde Viöl befaßt, hat uns folgenden Artikel zur Verfügung gestellt, den wir im Wortlaut wiedergeben:

„In der Zeit von 1933 bis 1945 war der TSV in der alten Form nicht mehr aktiv. Die Organisationen der NSDAP, SA und Hitler-Jugend organisierten den Sport. Der Sonnabend wurde 1935 zum Staatsjugendtag erklärt, die Schulen fielen an diesem Tag aus, es wurden Ausmärsche gemacht, Kampfsport und Leichtathletik betrieben. Einmal im Jahr fanden die Reichsjugendwettkämpfe statt. Im Juli 1939 versuchte eine Gruppe junger Männer, den TSV wieder zu aktivieren. Es handelte sich in erster Linie um eine Faustballmannschaft unter Anführung von Heinrich Ipsen. Nach einem Spiel am Abend auf dem alten Schulhof setzten sie sich bei `Fikens´ in der Gaststube zusammen und beschlossen, im August 1939 ein Faustballturnier zusammen mit anderen sportlichen Wettkämpfen zu veranstalten. Dazu mußte ein neuer Vorstand gewählt werden. 1. Vorsitzender wurde Malergeselle August Petersen aus Bohmstedt, der bei Malermeister Carsten Matthiesen, Westerende, beschäftigt war. Faustballobmann wurde Heinrich Ipsen und Kassenwart Heinrich Schmidt („Hein Möhlmann"). Eine Annonce über das geplante Sportfest mit Termin wurde aufgegeben. Dadurch war die Sache eigentlich schon geplatzt. Der Amtmann und Ortsgruppenleiter der NSDAP stellte daraufhin Heinrich Ipsen zur Rede "ohne seine Genehmigung käme eine Neugründung des TSV Doppeleiche nicht in Frage und die würde er niemals erteilen. Solche privaten Vereine paßten in der Zeit einfach nicht in die politische Landschaft". Ende August 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Eine Neugründung des TSV konnte somit erst nach Ende dieses Krieges vonstatten gehen."


 

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