Der Neubeginn nach dem Krieg von 1946 bis 1958

 (Verfasser: Klaus-Dieter Saß)

Ich habe es übernommen, über unser Vereinsleben in der Zeit von 1946 - 1970 zu berichten. Diese Aufgabe ist nicht leicht in Anbetracht der Tatsache, daß der Verein für die Zeit ab 1946 bis 1961 über keine Protokolle und andere Vereins-Dokumente verfügt und ich auf Erzählungen Dritter angewiesen war. Welch ein Glück, daß die damals 16-jährige Viöler Aufbauzugsschülerin Irene Dieckhoff (heute Irene Neugebauer) sich für ihre Abschlußarbeit anläßlich ihrer Schulentlassung das Thema „Entwicklung des TSV Doppeleiche Viöl von 1923 bis 1958" wählte. Mit ihrer ausdrücklichen Erlaubnis werde ich für den Zeitraum von 1946 bis 1958 ihre Arbeit ungekürzt wiedergeben, allerdings in Raten und mit einigen Anmerkungen/Ergänzungen.
Vorweg möchte ich darauf hinweisen, daß die Folgen des am 08.05.1948 beendeten Krieges auch in Viöl sehr deutlich sicht- und spürbar waren. Deutschland hatte gegenüber den Siegermächten (Alliierten) bedingungslos kapituliert und war von ihnen 1945 auf der Potsdamer Konferenz in 4 Besatzungszonen aufgeteilt worden. Die ehemals preußische Provinz Schleswig-Holstein gehörte zur britischen Zone, d.h., hier hatten die Briten das ausschließliche Sagen. Bezüglich des organisierten Sports erschien am 17.12.1945 die „Alliierte Kontrollratdirektive Nr. 23". Der Kontrollrat war damals die oberste Gewalt in Deutschland. Er befahl die Auflösung aller Turn- und Sportvereine und sonstigen Organisationen, die vor der Kapitulation bestanden hatten. Nicht durch den Beschluß des Vereinsvorstandes vom 21.04.1933 über das „Ruhen des Vereins", sondern durch die „Alliierte Kontrollratsdirektive Nr. 23" wurde der TSV Doppeleiche Viöl von 1923 aufgelöst. Den Alliierten ging es dabei vordringlich um die formelle Liquidierung des „Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübung (NSRL)". In der genannten Direktive hieß es aber auch: „Die Errichtung nichtmilitärischer Sportorganisationen lokalen Charakters ist auf deutschem Gebiet zu gestatten". Mit dem Wiederaufleben des Demokratiegedankens in Deutschland kam es trotz anfänglicher Ängste über die neuen „Überorganisationen im Sport" nach und nach dazu, den alten Vereinen, die das Überleben übten, Sportbünde überzustülpen, die auf „parteipolitisch neutraler Grundlage unter Ausschaltung restlicher militärisch-nazistischer Ideologien" ihre Arbeit aufnehmen sollten. So wurde dann in allen besetzten Gebieten ein Landessportverband (LSV) gegründet. Am 25.01.1947 wurde in Neumünster „LSV Schleswig-Holstein" und 1950 in Hannover der „Deutsche Sportbund (DSB)" gegründet.
Nach dem Kriege lag Deutschland in Trümmern. Wer hat nicht schon Filme und Fotos der vielen zerstörten Städte gesehen. In Viöl waren keine wesentlichen direkten Kriegsschäden durch Bomben und Granaten zu verzeichnen, aber durch den Einsatz aller Gelder für die Rüstung und den Krieg kam es auch in Viöl zu manchen Unzulänglichkeiten. Und dann kamen in unser damals noch sehr kleines Dorf mit seinen 600 Einwohnern ca. 500 Flüchtlinge, deren Unterbringung für den von den Briten eingesetzten Bürgermeister Albert Hansen (Drenges) das größte von vielen Problemen war. Die Beschlagnahme von Wohnraum für die Flüchtlinge verursachte sehr oft großen Ärger mit der einheimischen Bevölkerung. Es gab viel zu viele Arbeitslose und zu allem Übel große Probleme bei der Lebensmittelversorgung und bei der Beschaffung anderer lebenswichtiger Güter (z.B. Brennstoff). Wer in damaliger Zeit ein Fahrrad besaß, war gut dran, denn damit war er/sie mobil und hatte es leichter bei der Beschaffung des Notwendigsten (Schwarzhandel, „Organisieren" usw.). Ein Ei pro Person und Woche war damals der reinste Luxus. Schwarzschlachtungen und Schwarzbrennen von Schnaps wurden zwar bestraft (wenn man erwischt wurde), waren aber dennoch an der Tagesordnung. Der Hunger zwang die Menschen oft, „Verbotenes" zu tun. Die Kinder (dazu zählte damals auch ich - ich wohnte in Husum -) liefen entweder barfuß (auch beim Sport) oder auf Holzklotzen, die an Hacke und Spitze von unten mit Metallplättchen gegen vorzeitigen Verschleiß versehen waren. Ich erinnere mich gut daran, daß meine Mutter für meine Geschwister und mich aus selbstgesammelter Schafswolle Pullover strickte, die so fürchterlich kratzten und mir so manches Mal eine Ohrfeige einbrachten, weil ich diese fürchterlichen Dinger einfach nicht anziehen wollte. Für die Schulkinder wurde überall im Lande die „Schulspeisung" eingeführt. Viöler Frauen zweckentfremdeten den Waschkessel der Vorkriegs-Schulwaschküche (heute das umgebaute und mehrfach erweiterte Haus Gemsa/Naumann, Westerende 9) und kochten darin bis ca. 1950 vorwiegend Suppen, damit zumindest die Kinder einmal am Tag eine warme und nahrhafte Mahlzeit bekamen. Papier und Bleistifte (Kugelschreiber gab es damals noch nicht) waren Mangelware. Auch ich habe das Schreiben und Rechnen noch auf einer Schiefertafel und mit dem Griffel erlernt. Die Urkunden unseres TSV hatten nicht ohne Grund nur die Größe einer Postkarte (DIN A 6). Über all diesen und vielen nicht genannten Alltagssorgen schwebte die Angst vor Verfolgung bzw. Denunzierung, die ständigen Wegbegleiter während der Herrschaft der Nationalsozialisten. Die immer wieder gehörte oder auch nur gedachte Frage an die Zukunft war, wie es wohl in Zukunft sein würde? Trotz dieser nur kurz angedeuteten Probleme gab es überall im Lande, und so auch in Viöl, Menschen, die an einen sportlichen Neuanfang auf ihrer örtlichen Ebene nicht nur nachdachten, sondern auch aktiv wurden.
Es folgt die ungekürzte Wiedergabe der Abschlußarbeit von Irene Dieckhoff. Die Passagen aus der Arbeit sind fett gedruckt, damit sie auf den ersten Blick erkennbar sind. Soweit innerhalb ihres Wortlautes Anmerkungen/Ergänzungen von mir gemacht werden, sind diese in Kursiv-Schrift geschrieben. Absichtlich stelle ich jedem Jahr ein paar Ereignisse voraus, die mit dem TSV Viöl nichts zu tun haben, es dem Leser aber ermöglichen können/sollen, sich besser in das jeweils geschriebene Jahr zu versetzen, denn es gibt noch viele Menschen, die diese Zeit bewußt erlebt haben.

 
Lorenz Dethlefsen

Unser erster Vorsitzender
nach dem Krieg.
Lorenz Dethlefsen

1946

Erstmals seit 1933 finden auf deutschem Boden wieder freie Wahlen statt. In Hessen (21.01.), Bayern und Württemberg-Baden (29.01.) werden die Gemeinderäte gewählt. Am 21.01. wird Konrad Adenauer zum 1. Vorsitzenden der CDU in der britischen Zone gewählt. Die Entnazifizierung durch die geschaffenen Spruchstellen beginnt in der US-Zone am 05.03..

Im Mai 1946 wurde der Verein wieder ins Leben gerufen. Er bestand damals aus ungefähr 40-50 Mitgliedern. In den neuen Vorstand wählte man Lorenz Dethlefsen (damals Kirchspielsschreiber in der Kirchspielslandgemeindeverwaltung, die heute Amtsverwaltung heißt) als 1. Vorsitzenden, Willi Hintmann (Schulleiter in Viöl) als 2. Vorsitzenden und Schlachtermeister Julius Burmeister als Kassenwart. Auch ein Fachausschuß wurde eingesetzt: Willi Großmann übernahm die Leitung der Leichtathletik, und Erich Wobser wählte man zum Handballobmann. Zum erstenmal nahm der Sportverein jetzt auch Frauen auf, die Frau Ilse Krieger als Leiterin der Frauenabteilung betreute. Eine Fußballabteilung stand unter der Leitung von Herrn Horst Lübke. Die Handballer, Faustballer und Leichtathleten waren jedoch die aktivsten Gruppen in dem neuen Verein. Bald nach der Gründung schloß sich der Sportverein dem Kreissportverband an. Nun durften die Handball- und Faustballmannschaften (auch) an Punktspielen teilnehmen. Auch Leichtathletiksportfeste wurden besucht. Dies geschah aber immer zu Fuß, per Rad oder mit einem Pferdefuhrwerk. 1946, am letzten Sonntag im August (Anmerkung: Tatsächlich war es der 22. September.), fand das erste Nachkriegssportfest in Viöl auf „Gallerus Koppel" statt. Alle Nachbarvereine, wie Immenstedt, Drelsdorf, Norstedt, Jübek und Bohmstedt wurden eingeladen. In den Wintermonaten übte man sich bei Gallerus in der Gymnastik und im Bodenturnen.

 

1947

Am 20.04. (wieso mußte das ausgerechnet am Geburtstag von Adolf Hitler, sein?) finden in der britischen Zone die ersten Landtagswahlen statt. Das Ergebnis in Schleswig-Holstein (mit der Nachwahl im Kreis Flensburg am 19.05.) lautet: SPD 43/CDU 22, Südschleswigsche Vereinigung 5 Abgeordnete. Am 14.05. findet die konstituierende Sitzung des ersten frei gewählten Schleswig-Holsteinischen Landtages nach dem Kriege statt. Am 20.11. heiratet Prinzessin Elizabeth von Großbritannien den Herzog von Edingburgh Philip Mountbatten.
1947 verlegte man den ganzen Sportbetrieb nach Ackebroe. Die Trainingsnachmittage fanden jetzt auf „Krummanns-Koppel" statt. Auch in diesem Jahr nahmen Mannschaften an Punktspielen teil. Durch fleißiges Training gelang es der Faustballmannschaft, drei Jahre nacheinander Kreismeister des Bezirkes Husum-Eiderstedt zu werden. In der Mannschaft spielten Willi Großmann, Walter Huth, Otto Schmidt (Johankens), Heinrich Ipsen und Lorenz Dethlefsen. Die Jugend nahm ebenfalls einen regen Anteil an dem Faustballspiel. Im August des Jahres 1947 fand wieder ein Sportfest in Viöl (auf Krummanns-Koppel) statt. 12 Vereine aus der ganzen Umgebung nahmen an dieser Veranstaltung teil. Sie wurde mit einem Platzkonzert eingeleitet, das aus einer 20 Mann starken Kapelle bestand. Die Handballmannschaft führte eine einheitliche Kleidung ein, die aus einem blauen Hemd und einer roten Hose bestand. Dieser Anzug wurde, da es noch keine ordentlichen Stoffe zu kaufen gab, aus amerikanischen Mehlsäcken selbst geschneiderte und dann gefärbt. Peinlich war es jedoch, wenn es bei dem Sportfest einen Regenschauer gab. Dann verwischten die hübschen Farben von den Hemden und Hosen, und die Aufschrift der Mehlsäcke kam wieder zum Vorschein. Nach der Siegerehrung trafen sich die Sportler in drei Sälen (Gallerus, Hansches, Fikens) zu einem gemütlichen Beisammensein beim Tanz. Im Herbst 1947 kam es zu einem großartigen Erfolg der Handballmannschaft. Sie war von der 1. in die 2. Kreisklasse aufgestiegen. Im Herbst dieses Jahres ereignete sich eine kleine Revolution im Verein. Den Sportwarten Wobser und Großmann wurde diktatorisches Verhalten vorgeworfen. Daraufhin traten die beiden Sportwarte ab und nach ihnen der ganze Vorstand. Es wurden Neuwahlen ausgeschrieben, aus denen ein jüngerer Vorstand hervorging. Er konnte die Vereinsaufgaben jedoch nicht richtig lösen und wurde gestürzt.

1948

Erstmals nach 1936 (Garmisch-Partenkirchen) werden in St. Moritz/Schweiz wieder Olympische Winterspiele eröffnet (die V.). Deutsche und japanische Wintersportler sind von den Spielen ausgeschlossen. Am 20.06.1948 gibt es in Deutschland die Währungsreform. Die Reichsmark (RM) wird von der Deutschen Mark (DM) abgelöst. Jeder Bürger der Westzonen erhält in einer Umtauschaktion 40,-- DM für 40 RM (weitere 20,-- DM im August). Am gleichen Sonntag sind die Schaufenster der Läden mit bisher zurückgehaltenen Wirtschaftsgütern gefüllt. Am 29.07. werden in London die XIV. Olympischen Sommerspiele eröffnet (die letzten fanden 1936 in Berlin statt). Auch hier dürfen die Deutschen und die Japaner nicht teilnehmen.

 Erich Wobster
 Erich Wobster

 Klaus Jensen
Klaus Jensen 

Am 12.11. d.J. wird Erich Wobser Bürgermeister der Gemeinde Viöl und bleibt es ununterbrochen bis 1982.
Vom Herbst 1947 bis zum August 1948 hatte der Verein sieben neue Vorstände. Dadurch verlor er eine große Anzahl seiner Mitglieder (Namen von Vorstandsmitgliedern sind nicht bekannt. Sicher ist, daß Klaus Jensen, Viöl, in den Jahren 1947 und/oder 1948 für ca. ein halbes Jahr Vereinsvorsitzender war). Nun war die Gruppe der aktiven Mitglieder bis auf eine Handballmannschaft zusammengeschmolzen. Diese teilte sich dann auch noch in zwei Parteien. Um jetzt an Veranstaltungen teilnehmen zu können, mußten Leute von der Straße aufgelesen werden, weil sonst nicht genug Spieler vorhanden waren. Im Herbst 1948 gründeten Herr Erich Wobser und der Rest der Handballmannschaft einen neuen Verein. Er hieß „T.S.V. Viöl". Es wurden neue Hand- und Faustballmannschaften von den Männern, der Jugend und den Schülern aufgestellt.

  

  

1949

Am 18.03. wird die NATO (Nordatlantischer Verteidigungspakt) gegründet. Am 23.05. wird in Bonn das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (BRD) verkündet. Die Verfassung gilt lediglich für die 3 Westzonen (d.h. ohne die Sowjetische Besatzungszone, die spätere DDR). Damit beginnt die eigentliche Geschichte der BRD. Am 07.09. konstituieren sich Bundestag und Bundesrat, am 12.09. wird Professor Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten gewählt. Erster Nachkriegsbundeskanzler wird am 15.09. Dr. Konrad Adenauer. Am 07.10. wird die DDR gegründet.
1949 traten die Mannschaften ihre Spielverpflichtungen wieder an. Erneut veranstaltete man Sportfeste, die auf einer der Schlachterei gegenüberliegenden Koppel stattfanden (Schütts-Koppel am 04.09.1949). Nach eifrigem Training gelang es der alten Männermannschaft, wieder Kreismeister zu werden (Faustball).

1950

Am 15.06. beschließt der Bundestag den Beitritt der BRD zum Europarat, und am 22.11. gewinnt die deutsche Fußballnationalmannschaft (Trainer: Sepp Herberger) das erste Nachkriegsländerspiel gegen die Schweiz mit 1:0. In Viöl beginnt mit der Bebauung der Norderstraße die erste große Maßnahme zur Linderung der Wohnungsnot aufgrund des hohen Anteils von Flüchtlingen.
Im Jahre 1949 - 50 wurde dem Sportverein auf einen Antrag an die Gemeinde ein Platz in Muschen zugewiesen. Das Jugendaufbauwerk planierte und dränierte einen Teil des Platzes. Seit 1950 finden der Trainingsbetrieb, die Punkt- und Pokalspiele sowie alle Sportfeste (das erste Mal am 27.08.1950) in Muschen, das für diese Zwecke hervorragend geeignet ist, statt. Die bisherigen „Sportstätten" Schulplatz, Krummanns-, Gallehus- und Schütts-Koppel haben ausgedient. 1950 gab die alte Faustballmannschaft ihr Spiel auf. Die Jugendmannschaft, die nun in die Fußstapfen der Altmannschaft stieg, wurde noch im gleichen Jahr Gaumeister. Nach diesem Sieg durfte sie in Lübeck an der Landesmeisterschaft teilnehmen, wo sie den 3. Platz errang. Die Mannschaft trat mit den Spielern: Karl-Heinz Briesemeister, Günther Staack (Stocki), Adolf Horak (Addi), Carstensen und Dieter Stiemer an.

1951

Am 15.01. verabschiedet der Deutsche Bundestag das Gesetz über den Bundesgrenzschutz (Stärke: 10.000 Mann). Am 12.02. heiratet der persische Schah Reza Pahlewi die deutschstämmige Prinzessin Soraya. Seit dem 23.02. dürfen deutsche Schiffe statt der bisher vorgeschriebenen internationalen Signalflagge die schwarz-rot-goldene Flagge setzen. Am 26.08. haben 17 von 67 Staaten den Kriegszustand mit Deutschland beendet.
Auch im Jahre 1951 gelang es dieser Mannschaft (Faustball-Jugend), bei einem Landesturnfest einen 2. Platz zu erringen. Die Jugendhandballmannschaft wurde Kreismeister. Im gleichen Jahr gab Erich Wobser seinen Vorsitz wegen einer Erkrankung ab. Daraufhin übernahm Heinrich Wichert jun. die Vertretung, der den Verein dann bis zum 13.01.1954 hoch hielt (Anmerkung: Wobser befand sich wegen Tbc in einer Spezialklinik und mußte sich danach noch lange Zeit schonen). Um die Leichtathletik und auch das Turnen nicht zu vernachlässigen, wurde Herr Heinz Brich, Sportlehrer an der Viöler Schule, als Turnlehrer beim Sportverein angestellt.
Im Mai d.J. begannen Viöler Frauen und Männer, unter Leitung von Willi Hintmann und Ilse Krieger Tänze für eine zu gründende Trachtengruppe einzuüben. Der erste öffentliche Auftritt fand am 01.11.1950 im Saal von "Hansches" statt. Der erste auswärtige öffentliche Auftritt war am 12.11.1950 beim Heimatfest des Friesenvereins in Bohmstedt.
 
Sportfest 1951 - Feldhandball

 Beim Sportfest 1951 (11er- Feldhandball)
v.l.n.r. Adolf Horak; Schiedsrichter; Günther Staack; Günter Sorau; Amandus Rönkendorf;
Günter Muschke; Heinrich Willers; Heinrich Wichert jun.; Harald Thiesen; Jürgen Schultz; Horst Lübke


 

1952

Am 14.02. beginnen die VI. Olympischen Winterspiele in Oslo. Jetzt sind erstmals auch die Deutschen dabei. Am 06.02. stirbt König George VI. von England. Noch am selben Tag wird seine Tochter Elizabeth während eines Aufenthaltes in Kenia zur neuen Königin proklamiert (Elizabeth II, die noch heute Königin ist). In Helsinki finden die XV. Olympischen Sommerspiele statt. Das tschechische Laufwunder Emil Zatopek (29) gewinnt dreimal Gold (5.000 und 10.000 m sowie Marathon). Am 20.08. stirbt der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Schumacher. Sein Nachfolger wird Erich Ollenhauer. Am 25.12. wird in der Bundesrepublik Deutschland für 1 Stunde und 58 Minuten erstmals (aus dem Hamburger NDR-Studio in dem ehemaligen Flak-Bunker auf dem Heiligengeistfeld) eine Fernsehsendung ausgestrahlt. Wer erinnert sich noch an die damalige Ansagerin Irene Koss? Damals gab es in Deutschland nur etwa 4.000 Fernseher, die ca. 1.150,-- DM kosteten (eine sehr teure Sache für die damalige Zeit). Am 26.12. wird erstmals die Tagesschau gesendet (danach dann dreimal wöchentlich). Die Sendezeit wird auf täglich 2 Stunden beschränkt (20.00 - 22.00 Uhr). Der Empfang ist vorerst nur in Norddeutschland und Berlin möglich.
Für dieses Jahr hat Irene Dieckhoff in ihrer Arbeit keine speziellen Angaben gemacht. Statt dessen lesen Sie bitte, was im „Husumer Tageblatt" über die Jahreshauptversammlung am 29.01. geschrieben stand:
„TSV Viöl sehr erfolgreich". Am 29. Januar 1952 hatte der Turn- und Sportverein Viöl in Thomsens Gasthof („Gallerus") seine Jahreshauptversammlung. Der Verein konnte im vergangenen Jahr (1951) schöne Erfolge erringen. Die Jugendfaustballmannschaft wurde zweiter Landesmeister in Rendsburg, die Jugendhandballmannschaft Kreismeister im Feldhandball und Zweiter im Hallenhandball, die Schülermannschaft Kreismeister im Hallenhandball und Zweiter im Feldhandball. Auch die Männermannschaft hat einige Erfolge aufzuweisen. Die Kassenlage ist zurzeit noch etwas ungünstig. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde Bürgermeister E. Wobser 1. Vorsitzender, Lehrer E. Brich 2. Vorsitzender, Schriftführer und Jugendwart, H. Wichert Kassenwart und Handballobmann, Kassierer G. Korth, Gerätewart O. Bruch. Außerdem wurde beschlossen, die Mitgliedsbeiträge etwas zu erhöhen und gleichzeitig neue Mitglieder innerhalb der Dorfgemeinschaft zu werben, um die Jugendarbeit auch in diesem Jahre erfolgreich durchführen zu können. Ende März soll ein großes Schauturnen der Turnabteilung in Viöl stattfinden.
Viöl teilnahmeberechtigt für die Deutsche Meisterschaft
Der TSV Viöl wurde beim Landesturnfest in Rendsburg 2. Landesmeister im Faustball und ist damit teilnahmeberechtigt an den Endspielen zur Deutschen Meisterschaft im Faustball, die in Hannover stattfinden werden."

1953

Am 05.03. stirbt der sowjetische Diktator Josef Stalin. Sein Nachfolger wird Nikita Chruschtschow. Am 29.05. gelingt die Erstbesteigung des 8.840 m hohen Mount Everest. Am 02.06. wird Elizabeth II. von England offiziell zur Königin von England gekrönt.
Das herausragende Ereignis ist der Aufstand in der DDR vom 17.06., der von sowjetischen Panzern am 19.06. grausam und blutig niedergeschlagen wird.
Auf einen Antrag und Wunsch von Julius Burmeister nannte man den Verein im Jahre 1953 wieder T.S.V. Doppeleiche Viöl.

 
Detlef Dau-Schmidt

Detlef Dau-Schmidt

1954

Die Deutschen entdecken ihre Reiselust, und am 04.07. wird die deutsche Fußballnationalmannschaft in Bern gegen die hochfavorisierten Ungarn mit 3:2 Fußball-Weltmeister. Die Namen Sepp Herberger (Trainer), Toni Turek (Torwart), Jupp Posipal, Fritz und Ottmar Walter, Horst Eckel, Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Helmuth Rahn, Karl Mai, Max Morlock und Hans Schäfer bleiben unvergessen. Die ganze Nation steht Kopf.
Am 02.10. einigen sich die westlichen Staaten auf eine Regelung der Aufnahme der BRD in die NATO. Der Deutsche Werner Fütterer stellt in Jokohama/Japan, am 31.10. mit 10,2 Sekunden den Weltrekord im 100-m-Sprint ein.

Am 13.01.1954 wurde Herr Detlef Dau-Schmidt zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er leitete den Verein bis 1957. Ebenfalls im Jahre 1954 begann man mit dem Bau einer Turnhalle, die 1955 fertiggestellt wurde.

 

1955

Im September erreicht Bundeskanzler Adenauer bei Verhandlungen mit der sowjetischen Regierung die Zusage der Freilassung von 9.626 noch gefangengehaltenen deutschen Soldaten. Bereits 1 Woche später erkennt die UdSSR die DDR diplomatisch an und dokumentiert damit erstmals offiziell das Bestehen von zwei deutschen Staaten. Die Rückkehraktion für die Kriegsgefangenen beginnt bereits Anfang Oktober. Am 02.10. stirbt der amerikanische Schauspieler James Dean („Giganten" u.a.) bei einem Autounfall.
Seit November 1955 kommt der Bredstedter Wandersportlehrer Peter Thomsen allwöchentlich nach Viöl und betreut die Schüler-, Jugend- und Erwachsenenriegen beim Turnen (bis November 1977). Im Winter finden die Sportstunden in der Turnhalle statt, an deren Stirnseite in großen Buchstaben die Worte stehen „Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit" (Jahn). Unter „ Sport in der Halle" sind das Turnen an Geräten und auf dem Boden, die Gymnastik und auch das Handballtraining (auf zwei an die Wand gemalte Tore) zu verstehen.

 Dr. Kurt Horak

Zahnarzt Dr. Kurt Horak 

 Dr. Gerhard Krieger

Dr. Gerhard Krieger

1956 - 1957 - 1958

Für diese Jahre schreibt Irene Dieckhoff:
Von (Frühjahr) 1957 - 1958 (richtig: bis 16.12.1957 - Rücktritt) übernahm der Viöler Zahnarzt Kurt Horak den Vorsitz und vom Frühjahr 1958 an der Arzt Dr. Gerhard Krieger, der auch heute noch den Sportverein leitet. Am 1. Mai 1958 feierte man das 35-jährige Bestehen des Vereins. An diesem Tage wurden Julius Burmeister und Heinrich Wichert jun. zu Ehrenmitgliedern ernannt. Außerdem erklärten sich viele ältere Viöler Bürger bereit, dem Verein als passive Mitglieder beizutreten, um durch Beitragszahlungen dem Verein „unter die Arme zu greifen"

 

 


1956

Vom 26.02. - 06.03. finden in Cortina d'Ampezzo/Italien die VII. Olympischen Winterspiele statt. Der 20-jährige Österreicher Toni Sailer gewinnt überlegen die drei alpinen Skiwettbewerbe und wird zum Liebling des Publikums. Der deutsche Bundestag verabschiedet am 06.03. das Gesetz über die Wehrerfassung und das Soldatengesetz. In Melbourne/Australien beginnen am 22.11. die XVI. Sommerspiele. Manche/r Leser/in wird sich an die vier Goldmedaillen der Deutschen Ursula Happe (200 m Brustschwimmen), Helmut Bantz (im Turnen/Pferdsprung), Wolfgang Behrendt (im Boxen/Bantamgewicht) und Scheuer/Miltenberger (im 1.000-m-2er-Kajak der Herren) erinnern. Am 01.12., stellt die deutsche Frauenstaffel in Melbourne über viermal 100 m mit 44,9 Sekunden einen neuen Weltrekord auf.

1957

Am 15.02. geht in Schleswig-Holstein ein 16-wöchiger Metallarbeiterstreik zu Ende. Die Zahl der Urlaubstage wird von 12 auf 18 erhöht. Die Unternehmer verpflichten sich, im Krankheitsfall das Krankengeld auf 90 % des normalen Nettolohnes aufzustocken. Am 21.09. gerät in einem Hurrikan vor den Azoren das deutsche Segelschulschiff „Pamir" in Seenot und sinkt. Von den 86 Seeleuten können nur 6 gerettet werden. Am 04.10. wird mit „Sputnik" erstmals ein von Menschen geschaffener Flugkörper gestartet, der außerhalb der Erdatmosphäre als künstlicher Satellit eine Kreisbahn um unseren Planeten beschreibt.

1958

Am 20.06., dem 10. Geburtstag der Währungsreform, verabschiedet der Bundestag eine Steuerreform, die kleine Einkommen entlastet. Mit einem überzeugenden Sieg durch Aufgabe des Gegners erringt Gustav „Bubi" Scholz, Deutschland, am 04.10. vor 25.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion den Europameistertitel der Berufsboxer im Mittelgewicht. Am 01.12. sind in der Bundesrepublik 1 Millionen Fernseher zugelassen. Wir erinnern uns: Ende 1952 waren es erst 4.000.

Um den Mitgliedern des Vereins bessere Trainingsmöglichkeiten zu bieten, beabsichtigt man, den Sportplatz in Muschen zu einem Stadion auszubauen und ein Schwimmbad einzurichten, sobald die nötigen Mittel vorhanden sind.
Der vorstehende Satz ist der letzte in der Arbeit von Irene Dieckhoff.
 

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