Die 80er Jahre

(Verfasser. Dr. Harald Kaiser)

Zunächst ist es mir eine Ehre, dem Jubilar zum Geburtstag zu gratulieren. Diese Gratulation fällt um so herzlicher aus, da ich für einige Jahre unmittelbar mit seinem Werdegang verbunden war.

Wenn man gebeten wird, über eine Zeit zu berichten, die lange zurückliegt, so bleiben einem grundsätzlich mehrere Möglichkeiten. Man kann sich möglichst exakt auf die gekürzte Wiedergabe von Protokollen und Jahresberichten beschränken. Man kann aber auch in Anlehnung an vorhandene Aufzeichnungen seiner persönlichen Erinnerung einigen Freiraum gewähren und die Vorgänge mit gebührendem Abstand interpretieren. Ich habe mich für Letzteres entschieden, auch, weil dadurch mehr zwischen den Zeilen gelesen werden kann. Als ich das Amt des 1. Vorsitzenden des TSV Doppeleiche Viöl e.V. von 1923 am 10.01.1980 übernahm, tat ich das in der festen Überzeugung, dass meine einführenden Worte: „Ich werde führen - Sie werden geführt werden" und „es muss gearbeitet werden, sonst ist meine Wahl von vornherein ein Fiasko!" auch langzeitig richtig verstanden würden. Ich war ebenfalls der Meinung, dass vorhandene Zerwürfnisse des abzulösenden Vorstandes mit „Institutionen" der Gemeinde (von Dr. Krieger bis Erich Wobser) nur vorübergehender Natur sein könnten und mit etwas Rücksicht und Geschick beizulegen wären.

 
Dr. Harald Kaiser

 Dr. Harald Kaiser

Also gingen wir an die Arbeit!

Wenn ich „wir" sagte, so war ich dankbar, dass wenigstens zwei der ehemaligen Vorstandsmitglieder zur Weiterarbeit überredet werden konnten (Herbert Dethlefsen und Otto Schmidt). Ich war aber davon überzeugt, dass der Vorstand zur korrekten Erfüllung seiner Aufgaben erweitert werden sollte. Neben dem 1. und 2. Vorsitzenden sowie dem Kassenwart, die den geschäftsführenden Vorstand darstellen, mussten die Positionen Schriftführer, Sportwart, Platz- und Gerätewart besetzt werden. Hierbei hatte der Sportwart die Spartenleiter koordinierend zu führen und den sportlichen Betrieb im Vorstand zu vertreten. In einer Satzungsänderung wurde auch ein überschneidendes Wahlverfahren festgeschrieben, so dass der Verein nie mehr ohne funktionstüchtigen Vorstand sein konnte (19.03.1981). Wenn ich „wir" sagte, so darf ich dabei auch nicht verschweigen, dass über meine gesamte Amtszeit von 9 Jahren in der Auswahl der geeigneten Mitarbeiter mein größtes Problem zu sehen war. Ich war erst seit zwei Jahren am Ort und kannte die Menschen zu wenig. Besonders die Besetzung des Sportwartes, so wie mir das Amt vorschwebte, war kaum langzeitig befriedigend zu bewerkstelligen.

 Wegen einer geänderten Jugendordnung auf Bundesebene wurde auch in unserem Verein der von der Jugendversammlung jährlich zu wählende und von der Jahreshauptversammlung zu bestätigende Jugendwart in den Vorstand aufgenommen. Eine besondere Funktion im Sinne eines Friedensrichters haben die Ehrenmitglieder Dr. Krieger und seit 1985 Erich Wobser dankenswerterweise wahrgenommen.
Bei einem kalendarischen Vorgehen kann leicht der eine oder andere Name vergessen werden. Um dieser Gefahr nicht zu unterliegen, will ich dankbar nur alle meine Vorstandskollegen entsprechend ihrer Funktion erwähnen:

2. Vorsitzender  Herbert Dethlefsen (bis 1981)
Dietrich Pape  
 KassenwartOtto Schmidt (bis 1981)
Uwe Linau (bis 1987)
Heino Deusen
Schriftführer Heinz Kahrmann (bis 1981)
Heinrich Jensen (bis 1986)
Karin Schmidt
SportwartIrmgard Paasch (bis 1982)
Sönke Schmidt (bis 1983)
Carl Liepert
Platz- und Gerätewart Dietrich Pape (bis 1981)
Gerhard Thomsen (bis 1982)
Volker Matthiesen (bis 1986)
Dieter Knettler
JugendwartKäte Walcker (bis 1986)
Karin Heegardt (bis 1988)
Klaus-Dieter Saß

Außer diesen Vorstandsmitgliedern galt mein Dank allen Spartenleitern, Übungsleitern und den zahlreichen ebenfalls nicht namentlich genannten Helfern. Mit vielen bin ich noch heute freundschaftlich verbunden.
Jetzt möchte ich auf die sportliche Entwicklung unseres Jubilars zu sprechen kommen. Diese ist seit jeher sehr stark von den vorhandenen Liegenschaften, also Hallen und Plätzen, abhängig. Da unser Verein, wie viele weitere Landvereine auch, keine eigenen diesbezüglichen Besitztümer hat, ist er auf die Nutzung der Hallen des Schulverbandes, dessen Sportplatz und die Liegenschaften der Gemeinde (Muschen) angewiesen. Weil der Schulverband jedoch auch anderen Gemeinden und deren Sportvereinen gerecht werden muss, müssen auch die Platz- und Hallenzeiten vernünftig aufgeteilt werden. Obwohl ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis zu unseren Nachbarvereinen bestand, hat diese Tatsache automatisch zu Einschränkungen im Trainings- und Spielbereich führen müssen. Selbst bei vollster Auslastung bleiben zeitliche Wünsche oft auf der Strecke. Sehr geholfen hat uns auf diesem Gebiet die Gemeinde Viöl durch eine langfristige, 1981 abgeschlossene Nutzungsvereinbarung für das Muschengelände. Die weitgehend in Selbsthilfe erstellte Flutlichtanlage, ein Geräteschuppen und die Drainage des Platzes ließen ein Trainingsgelände entstehen, welches durch den Bau des Sportlerheimes (1985) seine Krönung erfuhr. Neben Muschen konnte ebenfalls mit beträchtlicher Eigenleistung die kleine Sporthalle zur besseren Nutzung umgestaltet werden. Aber trotz dieser Hilfen, Trainingsgemeinschaften mit den befreundeten Nachbarvereinen, Mannschaftszusammenlegungen und Wochenendnutzung, können die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Während meiner Amtszeit wurde die Mitgliederzahl um ein Drittel erhöht. Es entstanden neue Sparten, andere wurden aufgegeben. Den Wünschen unserer Mitglieder wurde soweit als möglich Rechnung getragen. Leider ist es aufgrund der Auswirkung geburtenschwacher Jahrgänge und der damit verbundenen Unterbesetzung von ballsportbetreibenden Mannschaften zu einer unerfreulichen Diskussion über „Handball und/oder Fußball" im Verein gekommen. Diese konnte zu nichts führen. Man hätte viel früher abwägen und Konsequenzen ziehen müssen. An dieser Stelle sei nur ein Wort über ein besonderes Sorgenkind erlaubt, den „Tanzkreis Viöl", seit 1984 „Trachtengruppe Kirchspiel Viöl (Haselund - Viöl)". All unsere diesbezüglichen Bemühungen, dem Tanzkreis eine solide Führung zu geben, geschweige denn ausreichend Mitglieder zu werben, schlugen im Ort Viöl fehl. Noch heute halte ich die stark angefeindete Regelung, unter der Leitung von Inge Anhut den TSV Haselund mit einzubeziehen, für gerechtfertigt.
Wenn ich jetzt über Geld rede, dann tue ich das in der festen Überzeugung, dass ohne einen fehlerlosen Umgang mit den Finanzen kein Verein lebens- und leistungsfähig sein kann. Ein fehlerloser Umgang mit Geld hat nichts mit „arm oder reich" zu tun, er stellt das wichtigste Ordnungsprinzip in der Vereinsführung dar. Für die Realisierung dieses Ordnungsprinzips bedarf es besonderer Mitarbeiter. Welch ein Glück, einen Uwe Linau und einen Heino Deusen als Kassenwarte zu haben. Schon nach kürzester Zeit erkannten wir, dass es keine exakte Mitgliederkartei gab. So wurden bisher auch Beiträge nur aus persönlicher Kennung erhoben und eingezogen. Für die Neuen, die diese Kenntnisse nicht haben konnten, musste ein vollständiges Mitgliederregister mit Angaben über Alter, Familienstand, Spartenzugehörigkeit usw. erstellt werden, eine Wahnsinnsarbeit! - besonders unter Berücksichtigung der inaktiven Mitglieder. Sicher hat der Verein durch die notwendige Erfassungsaktion und die damit verbundene Beitragserhebung Mitglieder verloren. Diese Tatsache musste in Kauf genommen werden. Andererseits stieg das Beitragsaufkommen nicht unerheblich. Aber noch einige böse Überraschungen mussten verarbeitet werden. Es fehlten in der Spartenkasse des Tanzkreises (Trachtengruppe) über 3.000,-- DM, das Spendenkonto war leergeräumt. Eine Tatsache, die mir bei Amtsantritt nicht bekannt war, und die wohl mein Vorgänger ebenfalls nicht gewusst hat. Noch schlimmer war eine nicht erfolgte Abrechnung mit einem Busunternehmen, obwohl von den Teilnehmern bezüglicher Jugendfahrt die Kosten erhoben worden waren. Hieraus entwickelte sich ein Rechtsstreit über 4.000,-- DM, der erst Jahre später durch einen Vergleich beendet werden konnte.
Trotz dieser unguten Startsituation ist es mit Hilfe der Kassenwarte gelungen, den Verein auf finanziell gesunde Füße zu stellen. Dabei waren die Zuschüsse der Gemeinde eine wichtige und unentbehrliche Hilfe. Sorgen bereiteten die hohen Strafgelder in den ballsporttreibenden Sparten („nicht angetreten", „fehlende Pässe" usw.). Und Sorgen bereitete der stetige Rückgang der „Ehrenamtlichkeit". So mussten immer mehr Übungsleiterstunden, Kilometergeld, Fahrtkostenzuschüsse und u.v.a. gezahlt werden. Die sich wiederholende Frage: „Was bekomme ich dafür?" war nicht mehr zu überhören.
Abschließend meine Amtszeit, die ich am 06.07.1989 auf eigenen Wunsch beendete, überblickend, möchte ich feststellen, dass in gleichem Maße, wie sich die Gemeinde den neuen Gegebenheiten gemäß veränderte, auch unser Verein einem Wandel unterlag. Aus einer ländlichen Idylle wurde ein umfangreicher, betriebsamer Zentralort, und aus einem mehr oder weniger losen Zusammenschluss von Sporttreibenden wurde eine rechtliche Institution mit eingetragener Satzung und Anerkennung der Gemeinnützigkeit (1985). Auf diesem Wege durfte ich den Verein ein kleines Stück begleiten und ..... es hat mir Freude gemacht, aber ich wurde wohl zu alt.

Da man für ein Geburtstagskind stets gute Wünsche haben sollte, sage ich folgendes:
„Möge der Verein immer von so tüchtigen Menschen geführt werden, wie es meine Vorgänger und meine Mitstreiter waren und wie es mein Nachfolger und seine Mannschaft sind."

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