Viöl im Jahre 1923

Als unser Sportverein am 5. Mai 1923 gegründet wurde, gehörten die Ortsteile Boxlund, Eckstock, Hoxtrup und Kragelund (aus dem Kirchspiel Viöl) sowie Hochviöl (aus dem Kirchspiel Schwesing) noch nicht zur politischen Gemeinde Viöl. Boxlund und Eckstock wurden am 01.12.1934, Hochviöl, Hoxtrup und Kragelund am 01.07.1976 mit Viöl zusammengelegt. Hochviöl gehört trotz der politischen Zugehörigkeit zur Gemeinde Viöl auch heute noch zum Kirchspiel Schwesing. Außer den vier genannten jetzigen Ortsteilen der Gemeinde Viöl gehörten 1923 und gehören auch heute noch zum Kirchspiel Viöl die Dörfer Behrendorf, Bondelum, Brook, Haselund, Kollund, Löwenstedt, Norstedt, Ostenau, Pobüll, Spinkebüll und Sollwitt.

 Westerende Viöl 1923

Westerende:
vorne links Nr. 31 (Otto Schmidt)
vorne rechts Nr. 32 (Emil Arp)

Das Kirchdorf Viöl des Jahres 1923 war von seiner Ausdehnung her nur ein geringer Teil des heutigen Dorfes. Die Gemarkung war ca. 600 ha groß und im Süden begrenzt durch die damals noch nicht begradigte Arlau. Die Bebauung im Jahre 1923 kann der Übersichtskarte in dieser Festschrift entnommen werden. Die beiden am weitesten westlich gelegenen Häuser des eigentlichen Dorfes waren nördlich des Westerendes das Haus Nr. 31 (Otto Schmidt) und auf der Südseite Nr. 32 (Emil Arp). Die östliche Bebauungsgrenze lag damals genauso wie heute auf der Nordseite beim Haus Osterende 24 (Margarethe Knudsen) und auf der Südseite beim Haus Osterende 23 (Reinhold Lettau). Am Tukamp lag lediglich das Haus von Nommen Hansen (Andreas Arndt). Die Bebauung am Markt ging schon damals an der Westseite bis an den Friedhof heran. An der Ostseite fehlten gegenüber der heutigen Bebauung lediglich das Haus von Marie Wietzke (Nr. 13) sowie die Gärtnerei Magnussen (Nr. 15). Am Kirchenweg endete die Bebauung an der Westseite mit dem kleinen Reetdachhaus von Hans Erichsen (Nr. 2) und an der Ostseite mit der Kirche. An der Süderstraße zog sich die Bebauung hinunter bis zum landwirtschaftlichen Betrieb Clausen (Bojes). Der Weg endete damals weit vor der Arlau. Die Arlau-Brücke entstand erst in den 60er Jahren im Rahmen der Flurbereinigung. Zwischen dem heutigen „Spar-Markt Kohls" und dem Haus Westerende 8 (Frau Kresse) führte damals ein Weg hinunter zu dem 1923 bestehenden und schon längst abgerissenen landwirtschaftlichen Betrieb „Sprokers". Dort, wo heute der „Spar-Markt Kohls" steht, befand sich 1923 der 1976 abgerissene landwirtschaftliche Betrieb „Deckmann" (Nikolai Hansen). Dieser Betrieb siedelte 1967 an den Lundackerweg aus (heutiger Eigentümer: Thomas Hansen „Speelmanns"). 

 

 Westerende (2) Viöl 1923

Westerende:
vorne links Nr. 5 (Margarethe Kohls)
vorne rechts landwirtschaftlicher Betrieb
"Deckmanns" (heute Kaufhaus Kohls)

Im Ortsteil Ackebroe standen 1923 nördlich des Westerendes die Schlachterei und das Wohnhaus von Julius Burmeister (Hausnummern 47 und 49) und südlich das Haus Nr. 54 (Christine Fintzen). Auf der Ecke zur heutigen B 200 stand bis 1991 die Schmiede von Hermann Sierk (heute OpelVertretung) und südlich davon das Haus mit Nebengebäuden von August Schmidt (heute Familie Christophersen). Weiter südlich lag östlich der Landstraße der landwirtschaftliche Betrieb Jens („Knuds"), östlich davon der Betrieb Deckmann („Kromanns"). Gegenüber von „Knuds" auf der anderen Seite der Straße standen drei Gebäude, und zwar im Süden die „Gastwirtschaft Ackebroe" der Eheleute Hans und Marie Hansen (hier wurde am 05.05.1923 unser Sportverein gegründet). Nördlich davon lag das heute äl-teste Haus der Gemeinde Viöl, die Abnahme der Gastwirtschaft (heutiger Eigentümer Sven Thomsen), und nördlich davon hatte Johann Hansen („Biaks") seinen landwirtschaftlichen Betrieb (heute Marie Tank). Gegenüber der Einmündung des Westerendes in die heutige Bundesstraße stand die Mühle von Johann Schmidt („Johann vun de Möhl") mit Nebengebäuden und dem weiter südlich separat gelegenen Wohnhaus. Nördlich der nach Bredstedt führenden Straße lag auf Viöl-Berg das Wohnhaus der Familie Rebenstorf.


 

 Westerende (3) Viöl 1923

Kaufhaus Wilhelm Quast, Viöl, etwa 1925
Ecke Westerende / Süderstraße
Familie Quast mit Großeltern

Die Straßenverhältnisse in Viöl waren im Jahre 1923 noch ganz anders als heute. Die damalige Landstraße Husum-Flensburg (heute B 200) war eine schmale und mit einer Granddecke versehene Chaussee, und die Brücke über die Arlau war noch eine andere (Näheres hierzu im Abschnitt „Viöl vor 1923"). Auch die von der Landstraße Husum-Flensburg abzweigenden Straßen nach Bredstedt, Boxlund und nach Viöl sowie die Straßen von Viöl nach Sollwitt und Behrendorf waren damals viel schmaler und hatten eine Granddecke. Die Linienführung der genannten Straßen ist seit 1923, abgesehen von einigen Begradigungen, auch noch heute so.
Wie einige Fotos dieser Festschrift zeigen, war die Bebauung zu damaliger Zeit ganz anders als heute. Einige Häuser haben ihr Aussehen total verändert; es gibt aber auch viele, die ihrem ursprünglichen Aussehen heute noch weitgehend entsprechen.
Viöl war 1923 nicht nur als Kirchdorf, sondern auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten das Zentrum der Schleswigschen Geest im Raume zwischen Husum, Flensburg und Schleswig. Geprägt wurde das Dorf durch die weithin sichtbare, auf dem höchsten Punkt gelegene Kirche. Weitere markante Punkte des Dorfes waren der Markt mit dem Kirchspielskrug „Garderuts" (heute „Gallehus") auf der östlichen, der Gastwirtschaft „Hansches" auf der westlichen Seite sowie das südlich des Marktes gelegene, damals sehr hübsche, reetgedeckte Pastorat, welches später abgebrochen und durch den Neubau des heutigen Pastorats und des „Lorenz-Jensen-Hauses" ersetzt wurde.

 

 Pastorat Viöl 1950

Das alte Pastorat im Jahre 1950

Gegenüber dem heutigen Busbahnhof und der Brunnenanlage stand 1923 das Schulgebäude, welches auch jetzt noch gut erkennbar ist. Dieses Gebäude hatte zwei Giebel. Am westlichen Ende des Gebäudes war eine Klasse, die „Grootschool". Hier wurden bis 1906 sämtliche und ab 1906 die größeren (grooten) Schulkinder unterrichtet. Zwischen den beiden Giebeln befanden sich bis 1906 die Wohnung des einzigen Lehrers und ab 1906 zwei Lehrerwohnungen (teilweise dann auch schon im Obergeschoß). Im linken Teil befanden sich bis 1906 Stallungen für das Vieh des Lehrers. Dieser bekam damals das Schulland und Stallgebäude zur Nutzung, um sein recht spärliches Gehalt aufbessern zu können. 1906 wurden die Stallungen zur „Lüttschool" umgebaut (hier wurden von nun an die jüngeren Jahrgänge - die Lütten - unterrichtet). Gegenüber der Schule befand sich der Schulplatz. Zur Straße hin war er durch ein Geländer abgegrenzt. Auf dem Bereich des heutigen Bus-Bahnhofes und der Brunnenanlage lag der Pausenplatz. Oberhalb (abschüssiges Gelände mit einem Höhenunterschied von ca. 1 m) lag der Schulsportplatz, eine einfache Wiese. Näheres zum Schulplatz als Sportstätte für Schule und Sportverein steht im Kapitel „Unsere Sportstätten im Wandel der Zeit". Ein weiteres für das Dorf markantes Bauwerk war das Meiereigebäude südlich der Dorfstraße. Für das gesellschaftliche Leben waren die damaligen vier Gastwirtschaften auf Ackebroe, Am Markt („Garderuts" und „Hansches") sowie „Fikens" an der Dorfstraße sehr wichtig. Für die Versorgung mit dem Bedarf des täglichen Lebens gab es viele Geschäfte. An der Dorfstraße lag der Kaufmannsladen unseres ersten Vereinsvorsitzenden Bruno Wichert (Westerende 5, Margarethe Kohls). Es gab noch einige „Höker" mehr, außerdem Stellmacher, Schmiede, Tischler, Baugeschäfte, Schlachter, Bäcker, Schlosser, Mühlenbetrieb u.a. Und es gab alljährlich den weithin berühmten „Viöler Markt", der nach längerer Pause ab 1996 wieder aufgelebt ist.

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