Viöl vor 1923

Wir wollen nicht in die Urzeit zurückgehen, sondern beginnen damit, daß um das Jahr 1100 die erste Kirche, eine Feldsteinkirche, erbaut wurde. Von dieser Kirche sind heute nur noch das Nord- und Südportal erhalten. Der jetzige Bauzustand ergibt sich durch zahlreiche Um- und Anbauten in den vergangenen Jahrhunderten. Die Kirche wurde auf dem höchsten Punkt nördlich der damals kleinen Siedlung errichtet und grüßt seit nunmehr rd. 900 Jahren, von weither sichtbar, jeden, der sich, egal aus welcher Richtung, dem Ort Viöl nähert. Der Kirchturm von „Sankt Christophorus" war über alle Jahrhunderte hinweg der markanteste Punkt im Erscheinungsbild der Gemeinde Viöl und wird es wahrscheinlich auch immer bleiben. Der damalige Name „Fjolde" stammt aus dem Nordischen und bedeutet soviel wie „Hohes Feld". Über die Jahrhunderte hat sich der Ortsname oft geändert (1389 „Fiöl" - friesisch „Füahl", 1407 „Fyolde"). Auf Meyers alten Karten und in den alten Verzeichnissen des Bistums Schleswig wird es immer „Fiolde" genannt. Alle genannten Schreibweisen haben immer die gleiche Bedeutung gehabt, nämlich „Hohes Feld" oder auch „Berg". Auf die weitere Siedlungstätigkeit wollen wir hier nicht weiter eingehen.
Wir machen einen sehr großen Sprung bis zum Jahre 1750. Bis zu diesem Jahre stand an dem damaligen Weg von Husum durch Viöl und dann weiter nach Norden am nördlichen Arlauufer westlich des Weges eine Wassermühle. Die damals ganz anders konstruierte Brücke lag ein paar Meter weiter westlich als die jetzige. Bei ausgesprochenem Niedrigwasser kann man noch heute die durch das Wasser sehr gut konservierten Reste der Bohlenwand, mit der das Wasser aufgestaut wurde, erkennen.

 Der alte Mühlenstau

Der alte Mühlenstau:
Blick von Osten

Der Mühlenstau befand sich östlich der Straße. Das Arlau-Wasser wurde aufgestaut, um mit der entstehenden Wasserkraft die Mühlräder anzutreiben. Bei der Wassermühle entstand mit der Zeit durch den Absturz des aufgestauten Wassers der Arlau der bis zu 2 Meter tiefe Mühlenteich. Hier badeten die Viöler Jugendlichen bis 1965, als im Dorf das Schwimmbad seine Pforten öffnete. Nicht weit nördlich der Arlaubrücke bog der damalige Hauptverbindungsweg Husum-Flensburg in östliche Richtung ab und führte in einer großen Krümmung direkt nach Viöl hinein, ungefähr zu der Stelle, wo heute die Kreuzung Westerende/Kirchenweg/Süderstraße liegt. An diesem Weg stand (noch auf dem Gebiet von Ackebroe) bis zum Jahre 1826 eine Gastwirtschaft (heutiger Betrieb von Heiko Deckmann), daher kommt auch der Hofname „Kromanns". „Kro" ist das auch heute noch gültige dänische Wort für „Krug". Der Weg führte an der Kirche vorbei und dann entlang des Kirchenweges weiter nach Norden. „Hein Möhlmann" sagte uns, daß auch die heutige Straße nach Behrendorf in früheren Zeiten woanders lag. Dieser Weg verlief ebenfalls südlich von Viöl und bog irgendwo von dem alten Hauptweg ab in Richtung Behrendorf. Den ungefähren Verlauf des Weges haben wir ebenfalls in die Übersichtskarte eingezeichnet. Die alte Gastwirtschaft auf Ackebroe an dem früheren Weg stellte ihren Betrieb 1826 ein. Im selben Jahr wurde eine neue Gastwirtschaft auf Akkebroe (an der heutigen B 200) gebaut. Sie wurde 1971 abgerissen und durch die Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Landwirts Niels Hansen ersetzt.
  Westerende um 1920:
      links die alte Schule
      rechts der alte Schulplatz, heute ZOB
 
 
 Westerende um 1920

Westerende um 1920:
links die alte Schule
rechts der alte Schulplatz, heute ZOB

An der Straße nach Sollwitt stand bis 1870 der Mühlenbetrieb der Familie Schmidt. Südlich der Straße stand eine Bockmühle, nördlich eine „Holländer-Mühle". Das ehemalige Müllergebäude steht heute im Eigentum von Edwin Theune (Sollwitter Chaussee 2). Das etwas weiter östlich gelegene Gebäude befand sich ebenfalls im Besitz der Familie Schmidt. Es wurde 1914 gebaut (Sollwitter Chaussee 3, Olaf Miechielsen). Der Mühlenbetrieb wurde 1870 nach Ackebroe gegenüber der Einmündung des heutigen Westerendes in die Bundesstraße 200 verlegt. Die „Holländer-Mühle" an der Sollwitter Chaussee wurde ab- und auf Ackebroe neu aufgebaut; dazu wurden neue Nebengebäude gebaut. Später entstanden weitere Bauten und das weiter südlich gelegene separate Wohnhaus des Müllers. Letzter Müller auf Ackebroe war Johann Schmidt („Johann vun de Möhl"). 1949 noch mit Wind betrieben, wurde später auf Elektrizität umgestellt. 1951 wurden die Flügel und die Kappe abgebaut. Heute verfallen die Gebäude leider zusehends.

In den Jahren 1844 bis 1848 (noch unter dänischer Herrschaft) wurde eine völlig neue Chaussee von Husum nach Flensburg gebaut (heutige Bundesstraße 200). Der alte Weg von Süden direkt in das Dorfzentrum verlor seine Bedeutung und ging später ein. 1933 wurde die vorhandene Granddecke der neuen Straße einfach übergeteert. Der Zustand war entsprechend schlecht. Erst in den Jahren von 1959 bis 1963 wurde sie nach weiteren Begradigungen völlig neu ausgebaut und erhielt ihren heutigen Verlauf und Zustand.
Die Brücke über die Arlau wurde jedoch erst Ende der 60er Jahre im Zuge der Arlauregulierung (Begradigung) gebaut.

Der frühzeitliche Weg südlich von Viöl Richtung Behrendorf war lt. Schulchronik 1904 durch eine Landstraße von Schleswig über Jübek und Viöl Richtung Bredstedt ersetzt worden (die heutige Trasse). Der Begriff „Straße" war damals jedoch nicht angebracht. Erst 1952 wurde erstmals eine Asphaltdecke aufgetragen.

Die alte Poststelle 

Die alte Poststelle:
heute Westerende 21

Noch bis um das Jahr 1900 gab es die heutige Kulturlandschaft in und um Viöl und in den umliegenden Orten nicht. Die höhergelegenen Teile von Viöl, damals weitgehend und heute nur noch zum Teil im Kirchenbesitz, waren eine von in Jahrhunderten entstandenen Fahrspuren durchzogene und ansonsten unberührte Heidelandschaft. Der nach Süden zur Arlau abfallende Teil (südlich der heutigen Bebauung) bestand aus Wiesen, die im Bereich der sich damals in vielen Windungen durch die Landschaft ziehenden Arlau sehr oft überflutet wurden und entsprechend naß waren. Die Trassen der früheren Wege von Ackebroe nach Viöl und von Viöl nach Behrendorf lagen nicht ohne Grund weiter ab von der Arlau in den etwas höher gelegenen und vor Überschwemmungen sicheren Wiesen. Auch die durch die Wiesen führenden Wege waren, soweit es sich nicht um die Hauptwege handelte, einfache Wagenspuren.

Erst um 1900 wurde aus der ursprünglichen Naturlandschaft eine Kulturlandschaft, die sich nach und nach bis zu ihrem derzeitigen Zustand verändert hat. Heute wächst die Erkenntnis, daß die politisch Verantwortlichen der letzten Jahrzehnte es mit dem Umbau der Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft „wohl ein wenig übertrieben" haben. Aus diesem Grunde wird gerade in dieser Zeit, sehr viel über Natur- und Landschaftsschutz und über die teilweise Rückführung von überzogenen Maßnahmen gesprochen und geschrieben. Über die diesbezüglichen Vorgaben in Gesetzen, Verordnungen und anderen Vorschriften sind die Menschen unserer heutigen Zeit jedoch geteilter Meinung.


 

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